Illegaler Welpenhandel

Unfassbares Tierleid

Illegaler Welpenhandel verursacht unfassbares Tierleid. Die Elterntiere werden im Ausland, häufig in Osteuropa, unter miserablen Bedingungen gehalten. Die Muttertiere dienen als „Produktionsmaschinen“ – gehalten in kleinen, dreckigen Verschlägen, stehen sie in ihren eigenen Exkrementen, häufig ohne Tageslicht, ohne menschlichen Kontakt, ohne tierärztliche Versorgung und ohne Freigang – und das zum Teil jahrelang. Neben dem seelischen Leid, das die Tiere hier erfahren, entsteht durch die widrigen Haltungsbedingungen ein hoher Infektionsdruck, welcher sowohl für die ausgewachsenen Tiere als auch für die Welpen sehr gefährlich werden kann. Denn die jungen Hunde und Katzen sind in der Regel nicht adäquat geimpft und leben in den ersten Wochen unter den gleichen schlechten Bedingungen wie ihre Elterntiere, um dann, viel zu früh, von ihrer Mutter getrennt zu werden.

Hinzu kommt massiver Stress durch den Transport und die neue Umgebung. Das Immunsystem ist zu diesem Zeitpunkt noch nicht ausgereift. Das führt dazu, dass die viel zu jungen Hunde und auch Katzen häufig schwer krank werden oder den Transport gar nicht erst überleben.

Ein weiteres großes Problem beim illegalen Welpenhandel ist, dass die Zucht unkontrolliert stattfindet und so bestimmte genetische Probleme verschärft werden können, wie zum Beispiel eine Fehlentwicklung des Hüftgelenks beim Schäferhund. Dies kann langfristig zu chronischen Erkrankungen und Schmerzzuständen führen, mit denen der Hund und auch die neuen Besitzer dann zu kämpfen haben.

Die frühe Trennung vom Muttertier und die Transporte während der wichtigen Entwicklungsphasen der Welpen, können zu Verhaltensproblemen führen. Eine weitere Folge des illegalen Welpenhandels.

Wird der illegale Transport aufgegriffen, müssen die jungen Hunde und Katzen im Tierheim für eine längere Zeit in Quarantäne, da sie in der Regel nicht den gesetzlich vorgeschriebenen Tollwutimpfschutz aufweisen. Zusätzlich sind sie meist krank und es, muss vermieden werden, dass sie andere Tiere anstecken. Da die Quarantäne meist während einer wichtigen Entwicklungsphase der Welpen stattfindet, kann es auch hierbei langfristig zu Verhaltensproblemen kommen, auch wenn die Tierheimmitarbeiter sich aufopferungsvoll um sie kümmern.

Qualzuchten und Moderassen

Vor allem sogenannte Qualzuchten oder auch Moderassen sind häufig vom illegalen Welpenhandel betroffen wie die Französische Bulldogge, Malteser, Zwergspitz, aber auch Katzen wie Britisch Kurzhaar und Scottish Fold. Motivationen, diese Tiere im Internet über Anzeigen zu kaufen, gibt es viele: Unwissenheit, Gutgläubigkeit, vielleicht will jemand sogar etwas vermeintlich „Gutes tun“ und die Welpen „retten“. Günstig sind die Welpen meist nicht mehr. Seit dem Haustierboom durch Corona und den Lockdown hat auch die „Welpenmafia“ die Preise immer weiter angezogen. Viel zu lukrativ ist das Geschäft. Da viele der Welpen krank sind, kommen für den neuen Besitzer häufig unerwartete Tierarztkosten hinzu – in der Hoffnung, dass sie überhaupt überleben.

Was macht den Handel illegal?

Neben dem unfassbaren Tierleid, dass durch diesen Handel entsteht, wird auch gegen nationale und europaweite Gesetze verstoßen:

  • Tierschutzgesetz: Die Tiere haben Schmerzen, Leiden oder Schäden
  • Hundeverbringungs- und -einfuhrbeschränkungsgesetz: Bestimmte Rassen und Mischlinge dieser Rassen dürfen nicht nach Deutschland importiert werden
  • Binnenmarkt-Tierseuchenschutzverordnung
  • Verordnung (EG) Nr. 1/2005, in Verbindung mit der Tierschutz-Transportverordnung, sowie Tierschutzhundeverordnung: Ein Hundewelpe darf erst im Alter von über acht Wochen vom Muttertier getrennt werden. Hunde- und Katzenwelpen dürfen unter acht Wochen nicht transportiert werden, außer sie werden vom Muttertier begleitet. Beim illegalen Welpenhandel werden die Welpen jedoch sehr häufig unter acht Wochen vom Muttertier getrennt und ohne das Muttertier transportiert. Die Verordnungen beinhalten zudem Mindestanforderungen für Boxengrößen, sowie auch Fütterungs- und Tränkevorschriften während des Transportes, welche beim illegalen Welpenhandel selten eingehalten werden.
  • Tiergesundheitsgesetz und Verordnung (EG) Nr. 576/2013 über die Verbringung von Heimtieren zu anderen als Handelszwecken: Tollwutimpfschutz, eine Kennzeichnung durch Implantation eines Mikrochips sowie der vollständig und korrekt ausgefüllte EU-Heimtierausweis fehlen meist beim Import 

Besonders problematisch ist der anonyme Handel mit den Tieren über das Internet. Hierzu gibt es aktuell keine gesetzliche Regulierung. Oft sind die Anzeigen als private Verkäufe getarnt und dank Corona können die Welpen vor einem Wohnhaus übergeben werden, da aktuell „niemand in die Wohnung darf“. So fällt nicht auf, dass die Mutterhündin sich gar nicht vor Ort sondern in einem dunklen Keller hunderte Kilometer entfernt befindet. 

Herausforderung für Tierheime

Oft landen die Tiere aus dem illegalen Welpenhandel im Tierheim. Entweder weil die neuen Besitzer komplett überfordert sind, kein krankes Tier möchten oder es sich finanziell nicht leisten können. Auch wenn Tiere aus einem illegalem Transport beschlagnahmt werden, werden sie in der Regel im Tierheim untergebracht. Meist ist für die Tiere dann eine Quarantäne notwendig und häufig gelangen die Tierheime an ihre personellen, räumlichen und auch finanziellen Kapazitätsgrenzen, wenn sie viele Tiere auf einen Schlag aufnehmen müssen. 
 

Unsere Forderungen

Heimtiere und insbesondere auch Tierheimtiere bedürfen eines umfassenderen Schutzes, um den damit einhergehenden Problemen wie z.B. dem illegalen Tierhandel, Animal Hoarding und Qualzucht Einhalt zu gebieten. 

Wir fordern daher den sofortigen und umfassenden Schutz von Heimtieren durch Einführung einer Heimtierschutzverordnung, die sowohl einen Sachkundenachweis für Tierhalter als auch eine bundesweite Kastrationspflicht für alle Katzen mit Freigang und eine Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht für Hunde und Katzen umfasst. 

Des Weiteren fordern wir: 

  • Konkretisierung des bestehenden Qualzuchtverbotes nach § 11 b Tierschutzgesetz für eine bessere Umsetzbarkeit
  • Eindämmung des illegalen Tierhandels: Sofortiges Verbot des Handels mit lebenden  Tieren im Internet mit Ausnahme der Präsentation von Tierheimtieren im Internet auf seriösen Webseiten z.B. eigener Homepage des Tierheimes, die vor Ort kennengelernt und vermittelt werden (gilt auch für Wildtiere) 
  • Vermehrte Kontrollen und härtere Strafen für illegale Tierhändler 
  • Aufklärung der Bevölkerung im Bezug auf Tierschutzaspekte u.a. im Heimtierbereich


Unsere gesamten Forderungen an die Politik findest Du hier.
 

Wie machen es denn die anderen?

In unseren europäischen Nachbarländern funktioniert es doch auch. 

In Frankreich soll ab 2024 ein Verbot für Onlinehandel mit Tieren gelten. Ein Gesetzesentwurf hierzu wurde Anfang 2021 vorgelegt und soll bald verabschiedet werden .

In der Schweiz müssen Onlineplattformen seit dem 1. März 2018 sicherstellen, dass Onlinehändler ihren vollständigen Namen und Adresse sowie das Herkunfts- und Zuchtland der zum Verkauf angebotenen Hunde angeben. 

Österreich verbietet seit 2017 das Inserieren von Tieren privater Halter: Nach dem Tierschutzgesetz besteht ein Verkaufsverbot von Tieren auf öffentlich zugänglichen Plätzen, dazu gehört auch das Internet. Ausnahmen für das Feilbieten von Tieren im Internet gelten nur für gewerbliche Tierhalterinnen und Tierhalter, zum Beispiel Tierhandlungen, sowie Züchterinnen und Züchter, die bei der Behörde gemeldet sind, oder von der Meldepflicht ausgenommen sind. Zudem ist der Verkauf von Tieren unter 6 Monaten untersagt. Bei Hunden und Katzen müssen die bleibenden Eckzähne ausgebildet sein. Zudem müssen die Hunde mindestens sechzehn Wochen in der nationalen Heimtierdatenbank gemeldet sein, bevor sie verkauft werden dürfen.