Tierversuche

Unnötiges Leiden

Jedes Jahr sterben in Deutschland Millionen Tiere in und für Tierversuche. Elektroden werden in die Gehirne von Affen implantiert, Mäuse leiden unter Tumoren und Kaninchen werden Substanzen in die Augen geträufelt, um zu testen, ob diese sie verätzen. Affen, Hunde, Katzen, Mäuse – sie alle leiden und die meisten von ihnen müssen für fragwürdige Methoden herhalten, die größtenteils im vergangenen Jahrhundert entwickelt wurden.

Der Skandal 2019 um das Auftragsforschungslabor LPT („Laboratory of Pharmacology and Toxicology“, seit Februar 2021 „Provivo Bioscience“) Mienenbüttel bei Hamburg zeigte abermals, welch skandalöse Zustände in solchen Laboren herrschen können: Viel zu spät wurden die Tiere dort von ihrem Leid erlöst, die Pflicht, das Wohlergehen der Tiere ständig zu kontrollieren, hatten die Mitarbeiter vernachlässigt und ehemaligen Mitarbeitern zufolge sollen schon vor Jahren Krebsstudien gefälscht und Todesfälle von Tieren vertuscht worden sein.

Doch auch ohne diese gesetzeswidrigen Zustände leiden die Tiere in allen Laboren für Grundlagenforschung, Giftigkeits- und Sicherheitsprüfungen von Pflanzenschutz- und Arzneimitteln, die Wirksamkeit von Medikamenten und viele andere Studien.

Seit 2017 ist die Zahl der zu wissenschaftlichen Zwecken verwendeten Tiere jedes Jahr gestiegen. 2019 wurden laut des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft 2.202.592 lebende Tiere für Versuche eingesetzt. Weitere 699.756 wurden ohne vorherige Versuche getötet, um ihre Organe und Gewebe zu verwenden.

Damit wurden insgesamt 2.902.348 Tiere für wissenschaftliche Zwecke verwendet. Das sind fast Einhunderttausend mehr als zu Beginn der Legislaturperiode. Deutschland stand bereits mit den Zahlen von 2017 an zweiter Stelle beim „Verbrauch“ von Tieren in der EU, nur noch übertroffen vom Vereinigten Königreich.

Fragwürdige Genehmigung von Tierversuchen

Die nicht sinkenden Tierversuchszahlen führen wir unter anderem darauf zurück, dass die Behörden, die für die Genehmigung von Tierversuchsprojekten zuständig sind, diese nur sehr eingeschränkt prüfen dürfen: Denn ob der Versuch wirklich unbedingt notwendig und ethisch vertretbar ist, darf die Behörde nicht eigenständig und unabhängig von den Angaben und Bewertungen des antragstellenden Wissenschaftlers prüfen. Wurde ein Antrag formal richtig gestellt, muss er genehmigt werden. Nur weniger als ein Prozent aller Tierversuchsanträge wird abgelehnt.

Zeit für ein Umdenken

Nicht nur aus ethischer Sicht sind Tierversuche nicht mehr zeitgemäß, auch rein wissenschaftlich gesehen ist ein Wandel hin zu tierversuchsfreien Methoden nötig, um zum Beispiel Therapien gegen schwere Krankheiten wie Krebs, Parkinson oder Alzheimer zu entwickeln. Ob Tierversuche hier tatsächlich den erhofften Durchbruch bringen, ist hingegen höchst fragwürdig. Die Ergebnisse lassen sich nur schwer auf den Menschen übertragen, denn Tiere unterscheiden sich beispielsweise in ihrer Lebensweise und -dauer, im Körperbau, Stoffwechsel und Erbgut.

Statt überholter, grausamer Tierversuche müssen wir hin zu modernen, tierleidfreien Methoden, die Wissenschaftlern auch heute schon zur Verfügung stehen und dessen Ergebnisse besser auf den Menschen übertragbar sind.

Neben Organbiochips, bildgebenden Verfahren, klinischen und epidemiologischen Forschungen gehören dazu beispielsweise auch In-vitro-Verfahren, mit welchen die Forscher Körper- oder Stammzellen von freiwilligen Spendern züchten. So lassen sich Körpergewebe oder sogar Organoide, das sind Miniaturversionen von Organen, nachzüchten, an denen die Giftigkeit von Chemikalien getestet werden kann.  

Doch Alternativen zu Tierversuchen werden nicht ausreichend gefördert. Die dafür bereit gestellten Zahlungen sind innerhalb der Legislaturperiode kaum angestiegen. Die Bundesregierung stellt jährlich nur etwa 10 Millionen Euro an Fördergeldern für tierversuchsfreie Methoden zur Verfügung:

Im Vergleich dazu investiert Deutschland jedoch ein Vielfaches in die tierexperimentelle Forschung. Hier zwei Beispiele von vielen:

Das Deutsche Primatenzentrum – hier leben rund 1.200 Affen und andere Primaten, darunter auch gentechnisch veränderte Exemplare – erhielt 2017 und 2018 jeweils knapp 8,7 Millionen Euro Zuschüsse vom Bund. Die hier gehaltenen Primaten werden sowohl für die Forschung im Primatenzentrum selbst eingesetzt als auch an andere wissenschaftliche Einrichtungen abgegeben.

Im Oktober 2020 wurde das Präklinische Forschungscentrum am Max-Delbrück-Centrum in Berlin nach fünfjähriger Bauzeit eröffnet. Dort ist Platz für 4.000 Mauskäfige, was in etwa 12.000 Mäusen entspricht. Die Baukosten, von denen der Bund den Großteil von 90 % getragen hat, betrugen 24 Millionen Euro.

Wir üben scharfe Kritik an der Bundesregierung, die es entgegen aller Versprechungen und Ziele versäumt hat, die Zahl der in Versuchen „verbrauchten“ Tiere zu verringern und endlich zielführende Maßnahmen zu ergreifen, um mittel- bis langfristig aus den Tierversuchen auszusteigen.

 

Unsere Forderungen

Immer noch leiden und sterben jedes Jahr Millionen Tiere in Tierversuchslaboren. Eine Gesamtstrategie für einen Ausstieg aus Tierversuchen ist dringend nötig.

Wir fordern den Ausstieg aus sämtlichen Tierversuchen. Bis zu einem solchen Komplettausstieg sind mindestens umzusetzen:

  • Massive Ausweitung der Förderung von Alternativmethoden zu Tierversuchen
  • Sofortiges Verbot von schwerbelastenden Tierversuchen und Versuchen an Primaten
  • Formulierung einer Ausstiegsstrategie zur schrittweisen Beendigung aller Tierversuche
  • Vollständige Umsetzung der Vorgaben der EU-Tierversuchsrichtlinie in deutsches Recht


Unsere gesamten Forderungen an die Politik findest Du hier.